Mietminderung Tabelle: Quoten aus Urteilen mit Gericht und Aktenzeichen
Von Thomas Mücke, Gründer und Inhaber
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Kurz gesagt
Eine verbindliche Mietminderungstabelle gibt es nicht. Das Gesetz nennt nur eine „angemessen herabgesetzte Miete“ (§ 536 Abs. 1 BGB)1; die Quote bestimmen Gerichte im Einzelfall nach Schwere, Grad und Dauer der Beeinträchtigung2. Unsere Tabelle zeigt gelesene Entscheidungen mit Aktenzeichen; jede Zeile ist ein Einzelfall.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Gesetz kennt keine Prozentsätze, nur eine „angemessen herabgesetzte Miete“; unerhebliche Mängel zählen nicht (§ 536 Abs. 1 S. 2 und 3 BGB)1.
- Gerichte bestimmen die Quote im Einzelfall, in erster Linie nach der Schwere des Mangels sowie dem Grad und der Dauer der Beeinträchtigung (LG Düsseldorf 23 S 27/17)2.
- Gemindert wird von der Bruttomiete einschließlich der Nebenkosten (BGH XII ZR 225/03 und VIII ZR 347/04)34.
- Die Tabelle nennt nur Urteile, deren Text wir gelesen haben; sie reichen von keiner Minderung (LG Köln 1 S 32/15) bis zur vollständigen Befreiung von der Miete (AG Köln 227 C 6/17).56
- Wer zu viel mindert, riskiert eine fristlose Kündigung; die Zahlung unter Vorbehalt der Rückforderung ist der Ausweg (BGH VIII ZR 138/11)7.
- Eine berechtigte Minderung gehört ins Jahresergebnis der Nebenkostenabrechnung (BGH VIII ZR 223/10)8.
Gibt es eine offizielle Mietminderungstabelle?
Nein. Das Gesetz nennt keine Prozentsätze, sondern eine „angemessen herabgesetzte Miete“ (§ 536 Abs. 1 S. 2 BGB)1. Welche Herabsetzung angemessen ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (LG Düsseldorf 23 S 27/17, Rn. 40)2.
Eine Mietminderungstabelle ist eine Zusammenstellung von Gerichtsentscheidungen. Sie hilft, eine Größenordnung zu sehen, ersetzt aber keine Prüfung Ihres Falls. Eine unerhebliche Minderung der Tauglichkeit bleibt ohnehin außer Betracht (§ 536 Abs. 1 S. 3 BGB)1.
Tabellen im Netz geben Quoten teils falsch wieder. Zum Beispiel steht AG München 425 C 11160/15 dort mit „festgesetzte Mietminderung: 50%“9, doch die Mieterin hatte selbst um 50 Prozent gekürzt, und das Gericht entschied über den Wiedereinbau des Aufzugs, nicht über die Quote10. AG Schöneberg 104 C 85/15 steht dort mit „festgesetzte Mietminderung: 14%“9; tatsächlich hatte die Vermieterin 70,16 € anerkannt, das Gericht rechnete das für 22 Tage auf gut 14 Prozent um und hielt eine höhere Minderung nicht für gerechtfertigt11.
Prüfen Sie jede Quote deshalb anhand von Gericht, Datum und Aktenzeichen. Wir nennen in der Tabelle nur Entscheidungen, deren Text wir gelesen haben, und kennzeichnen die Grundlage jeder Zeile.
Welche Quote haben Gerichte bei welchem Mangel angesetzt?
Die Tabelle nennt zu jedem Mangel die Quote, die Bezugsmiete und das Gericht mit Datum und Aktenzeichen. Sie reicht von keiner Minderung bei einem Schimmel, den der Vermieter dem Mieterverhalten zuordnen konnte5, bis zur Minderung auf null, also ohne Mietzahlung, bei unbewohnbarer Wohnung6.
Jede Zeile ist ein Einzelfall. Die Quote hing von Wohnung, Dauer und Ausmaß ab und lässt sich nicht übertragen. Wir nennen nur Entscheidungen, deren Text wir gelesen haben. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Spalte „Grundlage“ sagt, woher wir den Wortlaut kennen. „Volltext“ heißt: Wir haben den Text der Entscheidung selbst bei der Justiz des Landes oder des Bundes gelesen. „Entscheidungstext gelesen (Abdruck)“ heißt: Wir kennen den Wortlaut aus einem Abdruck im Netz. „Nur aus Entscheidungssammlungen“, „nur Kommentar-Auszug“ und „nur Auszug eines Mietervereins“ heißen: Wir kennen nur Angaben Dritter. Einen Durchschnitt oder eine Faustregel bilden wir bewusst nicht.
| Mangel | Quote | Bezug | Gericht, Datum – Aktenzeichen | Grundlage |
|---|---|---|---|---|
| Schimmel im Bad durch Duschen im Stehen (Vermieter bewies die Nutzung als Ursache) | 0 % (Amtsgericht: 10 %) | Bruttomiete | LG Köln, 24.02.2017 – 1 S 32/15 | Volltext der Landesjustiz5 |
| Aufzug: einer von zwei Aufzügen ausgefallen | 0 % | – | KG Berlin, 14.03.2002 – 8 U 161/01 | nur aus Entscheidungssammlungen12 |
| Aufzug, 3. Obergeschoss | 3 % | – | AG Berlin-Mitte (GE 2017, 782) | nur Kommentar-Auszug13 |
| Wassereintritt über dem Küchenfenster bis zur Reparatur des Dachs | 5 % (19 Tage = 44,21 €) | Miete 1.303 € | AG Bonn, 26.01.2021 – 206 C 18/19 | Volltext der Landesjustiz14 |
| Andersfarbige Ersatzfliesen nach Wasserschaden (optisch) | 5 % | Mietzins | LG Kleve, 05.02.1991 – 6 S 285/90 | Volltext der Landesjustiz15 |
| Geruch nach faulen Eiern aus nicht ausgetrockneten Wänden nach Wasserschaden | 5 % | Bruttomiete 700 € | AG Köln, 07.07.2020 – 227 C 6/17 | Volltext der Landesjustiz6 |
| Feuchter Keller | 5 % | Bruttomiete 666,16 € | AG Aachen, 28.10.2016 – 121 C 73/15 | Volltext der Landesjustiz16 |
| Undichte Fensterfront, April bis September | 5 % | Miete 1.303 € | AG Bonn, 26.01.2021 – 206 C 18/19 | Volltext der Landesjustiz14 |
| Aufzug, 5. Obergeschoss | 7,5 % | – | AG Bremen, 04.12.1986 – 10 C 300/86 | nur aus Entscheidungssammlungen17 |
| Undichte Fensterfront, kalte Monate (Februar, März, Oktober, November) | 10 % | Miete 1.303 € | AG Bonn, 26.01.2021 – 206 C 18/19 | Volltext der Landesjustiz14 |
| Bauarbeiten im Zwei-Parteien-Haus | 10 % | Bruttomiete 840 € | AG Neuss, 02.12.2016 – 94 C 3252/15 | Volltext der Landesjustiz18 |
| Schimmel in mehreren Zimmern | 10 % (rechtskräftig) | Bruttomiete 620 € | AG Reinbek, 07.04.2017, genannt in BGH, 05.12.2018 – VIII ZR 271/17 | Volltext des Bundesgerichtshofs19 |
| Aufzug, 3. Obergeschoss, mehrere Monate | 10 % | Bruttomiete 480,80 € | AG Berlin-Mitte, 11.06.2020 – 10 C 104/19 | Entscheidungstext gelesen (Abdruck)20 |
| Aufzug, Dauer 05.10.2018 bis 19.01.2019 | 10 % (von der Vermieterin zugestanden; mehr lehnte das Gericht ab) | Bruttomiete | AG Brandenburg an der Havel, 14.09.2020 – 31 C 168/19 | Volltext der Landesjustiz21 |
| Defekte Gastherme, Winter | 15 % | Miete | LG Düsseldorf, 10.12.2008 – 23 S 259/07 | Volltext der Landesjustiz22 |
| Baubedingter Schimmel an Fenstern | 15 % | Bruttomiete | AG Köln, 04.09.2024 – 206 C 17/23 | Volltext der Landesjustiz23 |
| Schimmel in Küche und Schlafzimmer, Mitverursachung durch den Mieter | 20 % | Bruttomiete 767 € | LG Düsseldorf, 06.12.2017 – 23 S 27/17 | Volltext der Landesjustiz2 |
| Einzelne kurze Heizungsausfälle in der Heizperiode | 20 % (Gutschrift der Vermieterin; mehr lehnte das Gericht ab) | Miete | AG Bonn, 23.06.2020 – 206 C 233/19 | Volltext der Landesjustiz24 |
| Aufzug, 10. Obergeschoss, 16 Tage | 20 % | Bruttomiete | AG Berlin-Mitte, 19.04.2007 – 10 C 24/07 | nur Auszug eines Mietervereins25 |
| Hochwasser im Haus: Aufzug und Keller nicht nutzbar | 23 % | Bruttomiete 474 € | AG Rheinbach, 23.08.2023 – 3 C 110/21 | Volltext der Landesjustiz26 |
| Gerüst, Balkon und Fenster gesperrt, Baulärm (Mai bis September 2017) | 25 % | Bruttomiete 687,29 € | AG Bonn, 23.06.2020 – 206 C 233/19 | Volltext der Landesjustiz24 |
| Feuchtigkeit und Schimmel in der Wohnung, unter anderem Kinder- und Wohnzimmer | 25 % | Bruttomiete 660 € | LG Paderborn, 22.01.2020 – 1 S 33/19 | Volltext der Landesjustiz27 |
| Zentralheizung defekt, Wohnung nur eingeschränkt beheizbar, Dezember bis März | 30 % | Gesamtmiete 738,82 € | AG Köln, 29.03.2018 – 209 C 402/17 | Volltext der Landesjustiz28 |
| Unwetter: Einliegerwohnung, Keller und Bautrockner (September 2013) | 37 % | Bruttomiete 1.550 € | LG Bonn, 12.11.2015 – 6 S 5/15 | Volltext der Landesjustiz29 |
| Wasserschaden im Bad mit Schimmel | 40 % | Miete 890 € | AG Paderborn, 29.06.2021 – 54 C 20/21 | Volltext der Landesjustiz30 |
| Rohrbruch im Bad, Schimmel, kein Warmwasser | 40 % | Bruttomiete | AG Köln, 04.09.2024 – 206 C 17/23 | Volltext der Landesjustiz23 |
| Heizung und Warmwasser vom Vermieter abgestellt, 18 Tage im September 2015 | ca. 45 % | Bruttomiete 840 € | AG Neuss, 02.12.2016 – 94 C 3252/15 | Volltext der Landesjustiz18 |
| Hochwasser: kein Warmwasser, Trocknerlärm, Aufzug, Keller | 53 % | Bruttomiete 474 € | AG Rheinbach, 23.08.2023 – 3 C 110/21 | Volltext der Landesjustiz26 |
| Umfangreicher, bauseitiger Schimmel | 60 % (Mieter hatten 80 % gemindert) | Bruttomiete 1.941 € | AG Düsseldorf, 27.03.2020 – 43 C 263/18 | Volltext der Landesjustiz31 |
| Trocknung nach Wasserschaden, Wohnung noch etwa eine Woche bewohnt | 75 % | Miete 890 € | AG Paderborn, 29.06.2021 – 54 C 20/21 | Volltext der Landesjustiz30 |
| Wohnung nach Wasserschaden unbewohnbar | Minderung auf null (keine Miete geschuldet) | eingeklagt war die Nettomiete von 480 € | AG Köln, 07.07.2020 – 227 C 6/17 | Volltext der Landesjustiz6 |
Wie rechnen Gerichte die Mietminderung aus?
Gerichte berechnen die Minderung von der Bruttomiete, also der Miete einschließlich aller Nebenkosten, gleich ob die Nebenkosten als Pauschale oder als Vorauszahlung geschuldet werden (BGH XII ZR 225/03)3. Bei kürzeren Zeiträumen rechnete das AG Bonn taggenau (206 C 18/19)14.
Für Wohnraum bestätigte der Bundesgerichtshof die Bruttomiete als Bemessungsgrundlage am 20.07.2005 (VIII ZR 347/04)4. Das LG Paderborn korrigierte ein Amtsgericht, das von der Nettomiete von 435 € gemindert hatte: Richtig war die Bruttomiete von 660 €, bei 25 Prozent blieben 495 € je Monat zu zahlen (1 S 33/19)27. Eine Garagenmiete nimmt an der Minderung nicht teil27.
Die Tabelle zeigt fünf Rechenwege, die Gerichte in den gelesenen Entscheidungen benutzten. Es sind Vorgehensweisen im Einzelfall und keine Rechenregeln.
| Rechenweg | Beispiel aus dem Urteil | Beleg |
|---|---|---|
| Quote mal Bruttomiete | 25 % von 660 €: 495 € bleiben zu zahlen | LG Paderborn, 1 S 33/1927 |
| Taggenau | 5 % von 1.303 € × 19 / 28 Tage = 44,21 € | AG Bonn, 206 C 18/1914 |
| Teilquoten addiert | 28 % + 4 % + 5 % = 37 % von 1.550 €: 976,50 € bleiben zu zahlen | LG Bonn, 6 S 5/1529 |
| Je Monat verschieden | Dezember bis März 30 %, Mai 10 %, Juni bis September 0 % | AG Köln, 209 C 402/1728 |
| Je Raum nach Wohnwertanteilen | Küche und Diele voll, Wohn- und Schlafzimmer zur Hälfte beeinträchtigt, 15 Tage: 245,01 € | AG Köln, 205 C 143/0932 |
Ändert sich die Mietminderung mit der Jahreszeit?
Ja, wenn der Mangel mit der Jahreszeit mehr oder weniger stört. Das AG Köln setzte bei einem Heizungsmangel von Dezember bis März 30 Prozent an, im Mai 10 Prozent und von Juni bis September 0 Prozent (209 C 402/17)28.
Das Gericht begründete das für den Mai damit, dass in der Regel immer noch ein gewisser Heizbedarf besteht, ebenso wie im Oktober (209 C 402/17, Rn. 23)28. Für April, Oktober und November setzte es 20 Prozent an28. Die Gesamtmiete betrug 738,82 beziehungsweise 748,82 €28.
Auch bei anderen Mängeln unterschieden Gerichte nach Jahreszeit. Das AG Bonn setzte bei einer undichten Fensterfront in den kalten Monaten 10 Prozent und von April bis September 5 Prozent an (206 C 18/19, Rn. 71 und 72)14. Das LG Düsseldorf hielt bei einer defekten Gastherme im Winter 15 Prozent für angemessen und im Sommer 10 Prozent (23 S 259/07)22.
- Januar30 %
- Februar30 %
- März30 %
- April20 %
- Mai10 %
- Juni0 %
- Juli0 %
- August0 %
- September0 %
- Oktober20 %
- November20 %
- Dezember30 %
Grafik als Text
Das Balkendiagramm zeigt für jeden Monat die angesetzte Quote: Januar bis März 30 Prozent, April 20 Prozent, Mai 10 Prozent, Juni bis September 0 Prozent, Oktober und November 20 Prozent, Dezember 30 Prozent.
Wie entsteht eine Gesamtquote aus mehreren Mängeln?
Manche Gerichte addieren Teilquoten für einzelne Beeinträchtigungen. Das AG Rheinbach kam so für August 2021 auf 53 Prozent der Bruttomiete von 474 €: kein Warmwasser 20, Trocknerlärm 10, Aufzug 3, Gemeinschaftskeller 10 und eigener Kellerraum 10 Prozent (3 C 110/21)26.
Auch das LG Bonn addierte: 28 Prozent für die unbenutzbare Einliegerwohnung, 4 Prozent für den Kellerraum und 5 Prozent für Lärm und Entleeren der Bautrockner ergaben 37 Prozent (6 S 5/15)29. Das ist das Vorgehen dieser Gerichte im Einzelfall, keine Rechenregel2926.
Der Mieter muss bei mehreren Mängeln die Minderung nicht je Mangel aufteilen und auch keine Quote nennen; es genügt, den Mangel konkret zu beschreiben (BGH VIII ZR 223/17, Rn. 15)33.
- Kein Warmwasser20 %
- Trocknerlärm10 %
- Aufzug3 %
- Gemeinschaftskeller10 %
- Eigener Kellerraum10 %
Grafik als Text
Die Gesamtquote von 53 Prozent setzt sich aus fünf Teilen zusammen: kein Warmwasser 20 Prozent, Trocknerlärm 10 Prozent, Aufzug 3 Prozent, Gemeinschaftskeller 10 Prozent und eigener Kellerraum 10 Prozent.
Kann ich die Quote aus einer Tabelle für meinen Fall übernehmen?
Nicht ungeprüft. Eine Quote aus einer Entscheidung ist ein Anhaltspunkt und kein Anspruch. Mindern Sie zu hoch, droht Zahlungsverzug, und eine fristlose Kündigung ist möglich, wenn Sie bei verkehrsüblicher Sorgfalt hätten erkennen können, dass die Voraussetzungen fehlen (BGH VIII ZR 138/11)734.
Der Mieter kann den Betrag, um den er mindern will, unter dem Vorbehalt der Rückforderung an den Vermieter zahlen. Das schließt nur die Wirkung des § 814 BGB aus; die Frage lässt sich dann gerichtlich klären, ohne das Risiko einer fristlosen Kündigung (BGH VIII ZR 138/11, Rn. 20)735.
Eine Quote müssen Sie nicht nennen, selbst vor Gericht nicht. Es genügt, den Mangel konkret zu beschreiben, und bei mehreren Mängeln brauchen Sie die Minderung nicht je Mangel aufzuteilen (BGH VIII ZR 223/17, Rn. 15; VIII ZR 155/11, Rn. 17)3336.
Ob Sie mindern oder unter Vorbehalt zahlen, ist eine Frage Ihres Einzelfalls. Dazu geben wir keine Rechtsberatung; ein Mieterverein oder eine Rechtsanwältin kann das beurteilen.
Ist es derselbe Mangel?
- Ja
- Weiter mit der zweiten Frage.
- Nein
- Die Quote ist nicht übertragbar.
Ist das Ausmaß gleich, also dieselben Räume und eine ähnliche Dauer?
- Ja
- Weiter mit der dritten Frage.
- Nein
- Die Quote ist nicht übertragbar.
Hat das Gericht selbst entschieden, und nicht nur der Mieter gekürzt, der Vermieter zugestanden oder ein anderes Urteil zitiert?
- Ja
- Weiter mit der vierten Frage.
- Nein
- Die Quote ist nicht übertragbar.
Ist bekannt, von welcher Miete die Quote berechnet wurde?
- Ja
- Die Quote ist ein Anhaltspunkt; im Zweifel unter Vorbehalt zahlen (BGH VIII ZR 138/11, Rn. 20).
- Nein
- Die Quote ist nur eingeschränkt vergleichbar.
Grafik als Text
Vier Fragen prüfen, ob eine Quote aus der Tabelle übertragbar ist: gleicher Mangel, gleiches Ausmaß, eigene Entscheidung des Gerichts und eine bekannte Bezugsmiete. Ein Nein bei einer der ersten drei Fragen heißt: Die Quote ist nicht übertragbar; ohne bekannte Bezugsmiete ist sie nur eingeschränkt vergleichbar.
Wie wirkt sich die Mietminderung auf die Nebenkostenabrechnung aus?
Die Jahresabrechnung muss eine berechtigte Minderung berücksichtigen. Weil sich die Minderung auf die Gesamtmiete einschließlich aller Nebenkosten bezieht, zeigt erst die Jahresabrechnung, ob eine Nachforderung oder ein Guthaben bleibt (BGH VIII ZR 223/10, Rn. 12)8.
Die einfachste Berechnung: Die im Abrechnungsjahr insgesamt geleisteten Zahlungen werden der geschuldeten Gesamtjahresmiete gegenübergestellt, also dem Jahresbetrag der Nettomiete zuzüglich der abgerechneten Betriebskosten abzüglich des im Jahr gerechtfertigten Minderungsbetrags (BGH VIII ZR 223/10, Rn. 16)8. Falsch war im damaligen Fall, geminderte Vorauszahlungen gegen ungeminderte Jahreskosten zu stellen8.
Wie die monatlichen Abzüge auf Nettomiete und Vorauszahlung verbucht werden, ist für das Ergebnis unerheblich (Rn. 12)8. Auch das LG Bonn zog die Minderungsquoten von den erst nach der Abrechnung feststehenden Gesamt-Nebenkosten ab, weil die Minderung die in der Miete enthaltenen Nebenkostenanteile erfasst (6 S 5/15, Rn. 52)29.
Das Rechenbeispiel zeigt mit ausgedachten Zahlen, wie die Minderung vom Bezugswert abhängt. Es ist keine Empfehlung für eine Quote.
So finden Sie den Punkt in Ihrer Abrechnung: Suchen Sie die Zeile mit den angerechneten Vorauszahlungen und vergleichen Sie sie mit den Beträgen, die Sie überwiesen haben. Die Tabelle ersetzt keine Prüfung Ihres Falls. Unsere Prüfung betrifft Ihre Nebenkostenabrechnung; liegt der im Mietvertrag vereinbarte Monatsbetrag vor, zeigt sie dort unter anderem, ob weniger Vorauszahlungen angerechnet sind als vereinbart. Ob eine Minderung berechtigt war, prüft sie nicht.
| Schritt | Rechnung |
|---|---|
| Nettomiete | 550 € |
| Nebenkosten-Vorauszahlung | 200 € |
| Bruttomiete | 550 € + 200 € = 750 € |
| Minderung für einen vollen Monat bei 10 % | 750 € × 10 % = 75 € |
| Minderung für 10 von 30 Tagen | 75 € × 10 / 30 = 25 € |
| Zum Vergleich: 10 % nur von der Nettomiete, voller Monat | 550 € × 10 % = 55 € |
Häufige Fragen
Gibt es eine offizielle Mietminderungstabelle?
Nein. Das Gesetz nennt keine Quoten, sondern eine „angemessen herabgesetzte Miete“ (§ 536 Abs. 1 S. 2 BGB)1. Die Höhe bestimmen Gerichte nach den Umständen des Einzelfalls (LG Düsseldorf 23 S 27/17)2.
Kann ich die Quote aus der Tabelle einfach übernehmen?
Nein, sie ist nur ein Anhaltspunkt. Bei zu hoher Minderung droht die fristlose Kündigung (BGH VIII ZR 138/11)7; ein Ausweg ist die Zahlung unter Vorbehalt der Rückforderung (Rn. 20)7.
Von welcher Miete wird die Mietminderung berechnet?
Von der Bruttomiete einschließlich der Nebenkosten (BGH XII ZR 225/03)3. Für Wohnraum bestätigte der Bundesgerichtshof das (VIII ZR 347/04)4.
Muss ich dem Vermieter eine Prozentzahl nennen?
Nein. Die Minderung tritt kraft Gesetzes ein; selbst vor Gericht genügt es, den Mangel konkret zu beschreiben, das Maß der Beeinträchtigung müssen Sie nicht vortragen (BGH VIII ZR 223/17, Rn. 15)33.
Wird für einen halben Monat auch nur halb gemindert?
In den gelesenen Urteilen rechneten Gerichte kürzere Zeiträume taggenau.1430 Das AG Bonn kam bei 5 Prozent von 1.303 € Miete für 19 Tage im Februar auf 44,21 € (206 C 18/19)14; das AG Paderborn rechnete 40 Prozent von 890 € für 21 Tage zu 249,27 € (54 C 20/21)30.
Wie wirkt sich die Mietminderung auf die Nebenkostenabrechnung aus?
Die berechtigte Minderung gehört ins Jahresergebnis: Gezahlt wird gegen die Gesamtjahresmiete abzüglich des gerechtfertigten Minderungsbetrags (BGH VIII ZR 223/10, Rn. 16)8.
Quellen
- § 536 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), Stand: zuletzt geändert durch Art. 6 G v. 23.7.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226), abgerufen am zurück zum Text
- LG Düsseldorf, Urteil vom 06.12.2017 – 23 S 27/17, NRWE, ECLI:DE:LGD:2017:1206.23S27.17.00 (Schimmel in Küche und Schlafzimmer, Mitverursachung), Stand: 06.12.2017, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 06.04.2005 – XII ZR 225/03, BGHZ 163, 1; NJW 2005, 1713; NZM 2005, 455 (Bruttomiete als Bemessungsgrundlage der Minderung), Stand: 06.04.2005, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 20.07.2005 – VIII ZR 347/04, NJW 2005, 2773; NZM 2005, 699; WuM 2005, 573 (Bruttomiete bei Wohnraum), Stand: 20.07.2005, abgerufen am zurück zum Text
- LG Köln, Urteil vom 24.02.2017 – 1 S 32/15, NRWE, ECLI:DE:LGK:2017:0224.1S32.15.00 (Schimmel im Bad durch Nutzung, Ausschlussbeweis des Vermieters), Stand: 24.02.2017, abgerufen am zurück zum Text
- AG Köln, Urteil vom 07.07.2020 – 227 C 6/17, NRWE, ECLI:DE:AGK:2020:0707.227C6.17.00 (Wasserschaden durch korrodierte Heizungsrohre, Wohnung unbewohnbar), Stand: 07.07.2020, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 11.07.2012 – VIII ZR 138/11, NJW 2012, 2882; NZM 2012, 637 (Verzug bei unberechtigter Minderung), Stand: 11.07.2012, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 13.04.2011 – VIII ZR 223/10 (Minderung und Jahresabrechnung), Stand: 13.04.2011, abgerufen am zurück zum Text
- Zitiert nach mietminderungstabelle.de: Mietminderung: Aufzug, Fahrstuhl, Lift (Tabelle mit Quoten und Aktenzeichen), abgerufen am zurück zum Text
- AG München, Urteil vom 29.09.2015 – 425 C 11160/15, Pressemitteilung 30/2016 des AG München; ZMR 2016, 466 (nur laut Sekundärquelle) (Wiedereinbau eines Aufzugs), Stand: 29.09.2015, abgerufen am zurück zum Text
- AG Schöneberg, Urteil vom 26.08.2015 – 104 C 85/15, GE 2016, 594 (laut Sekundärquelle); Volltext in der Wiedergabe einer Kanzlei (Fahrstuhlausfall, Dachgeschoss), Stand: 26.08.2015, abgerufen am (zitiert nach mietrechtsiegen.de, kein Volltext des Gerichts) zurück zum Text
- KG Berlin, Urteil vom 14.03.2002 – 8 U 161/01 (Ausfall eines von zwei Aufzügen), Stand: 14.03.2002, abgerufen am (zitiert nach mietminderungstabelle.de, kein Volltext des Gerichts) zurück zum Text
- Zitiert nach Haufe (Kinne/Schach/Bieber, Miet- und Mietprozessrecht, § 536 Rz. 31): AG Berlin-Mitte, GE 2017, 782 (Aufzug im 3. OG; Datum und Aktenzeichen dort nicht angegeben), abgerufen am zurück zum Text
- AG Bonn, Urteil vom 26.01.2021 – 206 C 18/19, NRWE, ECLI:DE:AGBN:2021:0126.206C18.19.00 (nicht rechtskräftig) (Wasserschaden Küche, undichte Fensterfront), Stand: 26.01.2021, abgerufen am zurück zum Text
- LG Kleve, Urteil vom 05.02.1991 – 6 S 285/90, NRWE, ECLI:DE:LGKLE:1991:0205.6S285.90.00 (andersfarbige Ersatzfliesen nach Wasserschaden), Stand: 05.02.1991, abgerufen am zurück zum Text
- AG Aachen, Urteil vom 28.10.2016 – 121 C 73/15, NRWE, ECLI:DE:AGAC1:2016:1028.121C73.15.00 (feuchter Keller), Stand: 28.10.2016, abgerufen am zurück zum Text
- AG Bremen, Urteil vom 04.12.1986 – 10 C 300/86, WuM 1987, 383 (laut mietminderungstabelle.de) (Personenaufzug, 5. OG), Stand: 04.12.1986, abgerufen am (zitiert nach mietminderungstabelle.de, kein Volltext des Gerichts) zurück zum Text
- AG Neuss, Urteil vom 02.12.2016 – 94 C 3252/15, NRWE, ECLI:DE:AGNE:2016:1202.94C3252.15.00 (Bauarbeiten im Haus, Ausfall Heizung und Warmwasser), Stand: 02.12.2016, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 05.12.2018 – VIII ZR 271/17 (Wärmebrücken nach Baustandard kein Mangel; Lüften nur im Einzelfall), Stand: 05.12.2018, abgerufen am zurück zum Text
- AG Berlin-Mitte, Urteil vom 11.06.2020 – 10 C 104/19, WuM 2020, 484 (nur laut Sekundärquelle); Volltext in der Wiedergabe einer Kanzlei (Aufzugsausfall, 3. OG), Stand: 11.06.2020, abgerufen am (zitiert nach mietrechtsiegen.de, kein Volltext des Gerichts) zurück zum Text
- AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 14.09.2020 – 31 C 168/19, Landesrechtsprechungsdatenbank Brandenburg, Nr. 1372 (Aufzugsausfall, Quote), Stand: 14.09.2020, abgerufen am zurück zum Text
- LG Düsseldorf, Urteil vom 10.12.2008 – 23 S 259/07, NRWE, ECLI:DE:LGD:2008:1210.23S259.07.00 (defekte Gastherme, Bauarbeiten), Stand: 10.12.2008, abgerufen am zurück zum Text
- AG Köln, Urteil vom 04.09.2024 – 206 C 17/23, NRWE, ECLI:DE:AGK:2024:0904.206C17.23.00 (Schimmel an Fenstern, Rohrbruch, Beweislast), Stand: 04.09.2024, abgerufen am zurück zum Text
- AG Bonn, Urteil vom 23.06.2020 – 206 C 233/19, NRWE, ECLI:DE:AGBN:2020:0623.206C233.19.00 (Gerüst und Wärmedämmung, Heizungsstörung), Stand: 23.06.2020, abgerufen am zurück zum Text
- AG Berlin-Mitte, Urteil vom 19.04.2007 – 10 C 24/07, MM 2007, 227 (laut Sekundärquellen); Auszug des Berliner Mietervereins (Aufzugsausfall, 10. OG, 16 Tage), Stand: 19.04.2007, abgerufen am (zitiert nach berliner-mieterverein.de, kein Volltext des Gerichts) zurück zum Text
- AG Rheinbach, Urteil vom 23.08.2023 – 3 C 110/21, NRWE, ECLI:DE:AGSU3:2023:0823.3C110.21.00 (Hochwasser: Warmwasser, Trocknerlärm, Aufzug, Keller), Stand: 23.08.2023, abgerufen am zurück zum Text
- LG Paderborn, Urteil vom 22.01.2020 – 1 S 33/19, NRWE, ECLI:DE:LGPB:2020:0122.1S33.19.00 (Schimmel in drei Räumen, Bruttomiete statt Nettomiete), Stand: 22.01.2020, abgerufen am zurück zum Text
- AG Köln, Urteil vom 29.03.2018 – 209 C 402/17, NRWE, ECLI:DE:AGK:2018:0329.209C402.17.00 (Heizungsmangel, Quote je Monat), Stand: 29.03.2018, abgerufen am zurück zum Text
- LG Bonn, Urteil vom 12.11.2015 – 6 S 5/15, NRWE, ECLI:DE:LGBN:2015:1112.6S5.15.00 (Wassereinbruch nach Unwetter, Bautrockner, Minderung in der Nebenkostenabrechnung), Stand: 12.11.2015, abgerufen am zurück zum Text
- AG Paderborn, Urteil vom 29.06.2021 – 54 C 20/21, NRWE, ECLI:DE:AGPB1:2021:0629.54C20.21.00 (Wasserschaden im Bad mit Schimmel, Trocknung), Stand: 29.06.2021, abgerufen am zurück zum Text
- AG Düsseldorf, Urteil vom 27.03.2020 – 43 C 263/18, NRWE, ECLI:DE:AGD:2020:0327.43C263.18.00 (bauseitiger Schimmel, 60 %), Stand: 27.03.2020, abgerufen am zurück zum Text
- AG Köln, Urteil vom 22.12.2009 – 205 C 143/09, NRWE, ECLI:DE:AGK:2009:1222.205C143.09.00 (Überschwemmung durch Rohrversagen, Minderung je Raum), Stand: 22.12.2009, abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZR 223/17 (Darlegung des Mangels genügt, keine Quote nötig (Wasser, Schimmel)), Stand: 10.04.2018, abgerufen am zurück zum Text
- § 543 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), Stand: zuletzt geändert durch Art. 6 G v. 23.7.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226), abgerufen am zurück zum Text
- § 814 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), Stand: zuletzt geändert durch Art. 6 G v. 23.7.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226), abgerufen am zurück zum Text
- BGH, Urteil vom 29.02.2012 – VIII ZR 155/11 (Darlegung des Mangels genügt), Stand: 29.02.2012, abgerufen am zurück zum Text
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